Was ein Medikationsplan ist

Wer mehrere Medikamente gleichzeitig einnimmt, kennt das Problem: Dosierungen ändern sich, neue Präparate kommen dazu, andere fallen weg. Ohne eine schriftliche Übersicht verliert man leicht den Überblick, gerade wenn mehrere Praxen beteiligt sind. Für genau diesen Fall gibt es in Deutschland den Bundeseinheitlichen Medikationsplan, kurz BMP. Je mehr Medikamente gleichzeitig eingenommen werden, desto größer wird zudem das Risiko für Wechselwirkungen und Verwechslungen. Fachleute sprechen ab fünf gleichzeitig dauerhaft eingenommenen Arzneimitteln von Polypharmazie. Der gesetzliche Anspruch auf einen BMP setzt bereits ab drei Arzneimitteln an, also früher als diese eigentliche Polypharmazie-Schwelle, um Risiken vorzubeugen, bevor sie entstehen. Der BMP soll genau hier ansetzen: Er bündelt alle relevanten Angaben auf einem einzigen, einheitlich aufgebauten Dokument, das bei jedem Arztbesuch und in der Apotheke gleich aussieht, unabhängig davon, welche Praxis es zuletzt ausgestellt hat.

Wer Anspruch auf einen BMP hat

Gesetzlich Versicherte haben laut den Vorgaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung Anspruch auf einen BMP, wenn sie mindestens drei verordnete, systemisch wirkende Arzneimittel gleichzeitig für voraussichtlich mindestens 28 Tage einnehmen. Systemisch wirkend bedeutet, dass ein Medikament im ganzen Körper wirkt und nicht nur örtlich, wie zum Beispiel eine Salbe. Die Praxis erstellt und aktualisiert den Plan. Bei jeder Änderung wird zusätzlich eine fortlaufende Versionsnummer auf dem Plan vermerkt, damit sich auf einen Blick erkennen lässt, ob eine mitgeführte Ausfertigung noch dem aktuellen Stand entspricht. Wer diese Voraussetzungen nicht erfüllt, etwa weil weniger als drei Medikamente oder ein Mittel nur für kürzere Zeit eingenommen wird, hat keinen Anspruch auf einen BMP. Eine eigene Übersicht lohnt sich aber auch in diesem Fall, siehe Medikamentenplan handschriftlich führen.

Was auf dem BMP steht und wofür der Barcode gut ist

Der BMP listet alle relevanten Medikamente mit Wirkstoff, Stärke, Dosierung und Einnahmezeitpunkt auf, dazu Hinweise wie Anwendungsgrund oder besondere Vorsicht. Auf dem Papierausdruck ist zusätzlich ein Barcode aufgedruckt, genauer ein Data-Matrix-Code. Praxen und Apotheken können diesen Code einscannen, um den Plan direkt in ihr System zu übernehmen, ohne alle Angaben erneut einzutippen. Das verringert Übertragungsfehler und spart Zeit. Der BMP wird dafür auf einem einheitlichen DIN-A4-Blatt ausgedruckt, das sich mehrfach falten lässt, bis es auf Scheckkartengröße passt und sich so bequem im Portemonnaie mitführen lässt.

Verordnet, geplant und tatsächlich genommen sind drei verschiedene Dinge

Der BMP zeigt, was verordnet ist. Im Alltag weicht die tatsächliche Einnahme davon manchmal ab: eine Dosis wird vergessen, ein Medikament bewusst pausiert, weil es schlecht vertragen wird, oder ein rezeptfreies Mittel dazu genommen, das im Plan gar nicht auftaucht. Für die Praxis ist neben dem, was verordnet wurde, oft auch interessant, was tatsächlich eingenommen wurde. Diese Unterscheidung lohnt sich, im eigenen Alltag mitzuführen, nicht nur beim BMP selbst.

Wie DOKINA den Medikationsplan im Blick behält

DOKINA soll den eigenen BMP über den aufgedruckten Barcode einlesen, damit die verordneten Medikamente nicht von Hand eingetippt werden müssen. Daneben soll ein Medikamententagebuch zeigen, was tatsächlich genommen wurde, getrennt von dem, was verordnet ist. Beides zusammen soll in den gemeinsamen Verlauf mit Werten, Veränderungen am Körper und Befinden einfließen. Mehr zum Aufbau steht unter Technologie. Wie Elisabeth Berger ihren Medikationsplan im Alltag einsetzt, zeigt ihre Geschichte aus dem Alltag.

Weiterführende Artikel

Häufig gestellte Fragen

Muss ich meinen BMP selbst aktuell halten?

Die Praxis erstellt und aktualisiert den BMP offiziell, das bleibt auch dann ihre Aufgabe, wenn mehrere Praxen an der Behandlung beteiligt sind. Sinnvoll ist trotzdem, ihn bei jedem Arztbesuch aktiv mitzubringen und selbst darauf hinzuweisen, falls sich seit dem letzten Ausdruck etwas geändert hat. Das kann etwa passieren, weil eine andere Praxis oder eine Apotheke zwischenzeitlich ein Medikament angepasst hat. So bleibt der Plan auch dann vollständig, wenn nicht jede beteiligte Stelle automatisch von den anderen erfährt.

Was mache ich mit rezeptfreien Mitteln, die nicht auf dem BMP stehen?

Auch rezeptfreie Mittel und Nahrungsergänzungen sollten der Praxis genannt werden, weil sie mit verordneten Medikamenten wechselwirken können. Dazu zählen etwa bestimmte Schmerzmittel mit blutverdünnenden Präparaten oder Johanniskraut mit einigen Herz- und Krebsmedikamenten. Solche Wechselwirkungen sind für Laien oft nicht erkennbar, für die Praxis oder die Apotheke aber wichtig zu wissen. Sie gehören deshalb idealerweise in die eigene Übersicht, auch wenn sie nicht auf dem offiziellen BMP erscheinen.

Was passiert mit den Daten aus dem Barcode?

Der Barcode, technisch ein zweidimensionaler Data-Matrix-Code, enthält die gleichen Angaben, die auch auf dem Papierausdruck stehen: Medikamente, Wirkstärken, Dosierung und Einnahmezeitpunkte. Er dient dazu, diese Angaben ohne erneutes, fehleranfälliges Abtippen in ein System zu übernehmen, etwa in der Praxis, der Apotheke oder in einer eigenen Anwendung. Die Daten bleiben dabei auf dem eigenen Ausdruck oder Gerät gespeichert. Sie werden nicht automatisch an eine zentrale Stelle übertragen, wenn der Code eingescannt wird.