Für wen sich ein eigener Plan besonders lohnt
Einen Bundeseinheitlichen Medikationsplan (BMP) stellt die Praxis nur aus, wenn mindestens drei verordnete, systemisch wirkende Arzneimittel gleichzeitig für voraussichtlich mindestens 28 Tage eingenommen werden, mehr dazu im Beitrag Medikationsplan richtig führen. Wer weniger Medikamente nimmt oder ein Mittel nur für kürzere Zeit einnimmt, hat diesen Anspruch nicht und bekommt entsprechend auch keinen BMP ausgestellt. Für genau diese Fälle lohnt sich ein eigener, handschriftlicher Plan. Er eignet sich aber auch als Ergänzung neben einem bestehenden BMP, etwa um zusätzlich festzuhalten, was tatsächlich eingenommen wurde, oder um rezeptfreie Mittel zu ergänzen, die auf dem offiziellen BMP nicht auftauchen.
Was in einen handschriftlichen Plan gehört
- Name des Medikaments und Wirkstärke
- Verordnete Dosierung und Einnahmezeitpunkt
- Ein Feld zum Abhaken für die tatsächliche Einnahme
- Grund der Einnahme, in eigenen Worten
- Besonderheiten wie Unverträglichkeiten
Warum verordnet und genommen zwei Spalten verdienen
Was verordnet ist, steht bereits im BMP. Im Alltag weicht die tatsächliche Einnahme manchmal davon ab: eine Dosis wird vergessen oder ein Mittel bewusst pausiert. Wer beides getrennt festhält, sieht auf einen Blick, wo es zu Abweichungen kommt. Das lässt sich beim nächsten Termin gezielt ansprechen.
Vorlage zum Ausdrucken: Plan und Wochen-Einnahmeprotokoll gibt es als kostenloses PDF – ohne Anmeldung, direkt herunterladen.
Tipps für den Alltag
- Den Plan an einem festen Ort aufbewahren, zum Beispiel bei der Medikamentenbox.
- Nach jeder Einnahme sofort abhaken, nicht erst am Abend.
- Den Plan bei jeder Änderung sofort aktualisieren.
- Eine Kopie des aktuellen BMP dazulegen, damit beide Übersichten zusammen vorliegen.
Wo Papier an seine Grenzen stößt
Ein handschriftlicher Plan gleicht einem Blatt, auf dem nur eine einzelne Zutat eines Rezepts steht: für sich genommen gut lesbar, aber ohne erkennbaren Zusammenhang zu den übrigen Zutaten. Ob eine neue Dosierung zeitlich mit einer Veränderung bei Gewicht oder Befinden zusammenfällt, zeigt der Plan nicht von selbst. Das lässt sich nur erkennen, wenn beide Aufzeichnungen nebeneinandergelegt und Zeile für Zeile miteinander verglichen werden.
Dazu kommen weitere Grenzen, die weniger mit dem Inhalt als mit dem Medium Papier selbst zusammenhängen:
- Kein Rückblick auf einen Blick: Wer wissen will, wie oft eine Dosis in den letzten drei Monaten vergessen wurde, muss jedes Blatt einzeln durchblättern und von Hand zählen. Ein Verlauf auf einen Blick ist so nicht möglich.
- Nur an einem Ort verfügbar: Der Plan liegt zu Hause auf dem Tisch oder bei der Medikamentenbox. Wer unterwegs, im Krankenhaus oder bei einem spontanen Arztbesuch danach gefragt wird, hat ihn in diesem Moment oft gerade nicht dabei.
- Kein automatischer Hinweis: Papier erinnert nicht von selbst an die nächste Einnahme. Jede Erinnerung muss der Mensch selbst im Kopf behalten oder über ein zusätzliches Hilfsmittel wie einen Wecker organisieren.
- Verlust ohne Kopie: Geht das Blatt verloren, etwa bei einem Umzug oder einem Krankenhausaufenthalt, ist der gesamte bisherige Verlauf unwiederbringlich weg. Das gilt zumindest, sofern keine zusätzliche Kopie angefertigt wurde.
- Weitergabe nur durch Abschreiben oder Fotografieren: Soll eine Tochter oder ein Sohn aus der Ferne mitlesen, muss der Plan fotografiert und verschickt oder mühsam abgetippt werden. Eine laufende Aktualisierung bei jeder Änderung ist auf diesem Weg kaum praktikabel.
Diese Grenzen bedeuten nicht, dass ein handschriftlicher Plan falsch oder überflüssig ist. Im Gegenteil: Für die tägliche Einnahme reicht er oft völlig aus. Sie erklären aber, warum ein zusätzliches digitales Führen gerade dann hilfreich wird, wenn mehrere Aufzeichnungen über einen längeren Zeitraum miteinander in Zusammenhang gebracht oder mit anderen Menschen geteilt werden sollen.
Wie DOKINA den Medikamentenplan übersichtlich hält
DOKINA soll den BMP über den aufgedruckten Barcode einlesen und zusätzlich ein Medikamententagebuch führen, das zeigt, was tatsächlich genommen wurde. Beides soll gemeinsam mit Werten und Befinden in einem Verlauf stehen. Die Lösung ist noch nicht verfügbar. Wie Elisabeth Berger ihre Medikamente im Alltag festhält, zeigt ihre Geschichte aus dem Alltag.
Weiterführende Artikel
- Wie der Medikamentenplan in den nächsten Arztbericht einfließt, zeigt Bericht für den Arzttermin vorbereiten.
- Eine vergleichbare Vorlage für den Blutdruck bietet das Blutdrucktagebuch zum Ausdrucken.
Häufig gestellte Fragen
Ersetzt ein eigener Plan den BMP?
Nein. Der BMP bleibt das offizielle, von der Praxis erstellte und rechtlich vorgesehene Dokument. Er dient auch in Notfallsituationen als verlässliche Referenz. Ein eigener, handschriftlicher Plan ist eine private Ergänzung im Alltag, etwa um die tatsächliche Einnahme, Abweichungen oder rezeptfreie Mittel festzuhalten, die auf dem offiziellen BMP nicht auftauchen. Beide Dokumente ersetzen sich nicht gegenseitig, sondern ergänzen sich am besten, wenn sie zusammen aufbewahrt werden.
Wie oft sollte ich meinen Plan aktualisieren?
Am besten sofort bei jeder Änderung, etwa wenn eine Dosis angepasst, ein Medikament abgesetzt oder ein neues Präparat verordnet wird. Ein veralteter Plan kann im Notfall mehr schaden als nützen, etwa wenn Rettungskräfte ihn zur schnellen Einschätzung nutzen. Er spiegelt dann einen falschen Stand vor. Deshalb lohnt sich die Aktualisierung direkt nach der Veränderung, nicht erst kurz vor dem nächsten Arztbesuch.